Zug um Zug – Fingerhakeln

Neben dem für die Alpenrepublik fast obligatorischen Wintersport, sind auch eine Anzahl anderer Sportarten fest in der österreichischen Kultur verankert: Eine besonders in Brauhäusern und Biergärten beliebte Methode des freundschaftlichen Kräftemessens ist das Fingerhakeln. Angeblich wurden auf diese Art und Weise in der Vergangenheit Streitigkeiten ausgetragen. Auch heute ist das Fingerhakeln als einfache und schnelle Kraftprobe beliebt.

Bei diesem typisch alpenländischen Kraftsport sitzen sich beide Kontrahenten an einem Tisch gegenüber und verhaken die Mittelfinger einer Hand ineinander. Dann versuchen sie, den Gegner am Finger zu sich herüber zu ziehen. Dabei spielen neben der reinen Körperkraft auch die richtige Technik und die Überwindung des Dehnungsschmerzes im Finger eine zentrale Rolle.

Brauchtum und organisierter Sport

Im Laufe der Jahre hat sich aus dem Spaß am Biertisch auch ein organisierter Sport entwickelt. So kämpfen Fingerhakler verschiedener Gewichts- und Altersklassen auf Turnieren und Meisterschaften um den Sieg. Das hohe Maß an professioneller Organisation wird dabei schnell klar: Alle Sportgeräte wie Tisch, Hocker und der Lederriemen, in den beim professionellen Fingerhakeln die Finger eingehakt werden, sind genormt. Außerdem achtet ein Schiedsrichter auf einen fairen Ablauf des Wettkampfs – und hinter den Kontrahenten stehen sogar zwei Auffänger, um die Sportler zu halten, sollte einer umfallen.

Die kulturelle Bedeutung des Fingerhakelns ist sogar bis in die Sprache vorgedrungen: So hat die Redewendung „jemanden über den Tisch ziehen“ ihren Ursprung in diesem Volkssport. Denn schließlich zählt nicht nur die rohe Körperkraft, sondern eben auch Technik – und damit „Köpfchen“.

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